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2013 Zeugen einer Gegenwart

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Der Heilige ist ein Mensch
Es gibt eine Bedeutung des Wortes Heiligkeit, bei der man sich etwas  Außergewöhnliches vorstellt,   und die in einem Heiligenschein zum Ausdruck kommt. Und doch ist Heiligsein kein Metier für wenige und der Heilige ist kein Museumsstück. Zu jeder Zeit wurde die Heiligkeit als eigentlicher Stoff des christlichen Lebens verstanden.                                                                                                   
Trotz der Einseitigkeit bestimmter Bilder bleibt eine im Grunde sehr klare Vorstellung: der Heilige ist kein Supermensch, der Heilige ist ein wahrer Mensch. Der Heilige ist ein wahrer Mensch, weil er Gott angehört und damit dem Ideal, für das sein Herz geschaffen wurde und aus dem seine Bestimmung besteht.

                                                                                                                                                             

….Aus diesem Grund benötigt die Welt noch immer, heute sogar besonders, das „Schauspiel der Heiligkeit“, wie es von Bardy in seinem Buch über die ersten Jahrhunderte des Christentums beschrieben ist (Gustave Bardy, Menschen werden Christen, Herder Verlag). Denn die Welt braucht das Zeugnis einer Einheit der Person  und einer Übereinstimmung des Lebens mit seinem grundlegenden Bedürfnis. …
Der unmittelbarste Aspekt dieses Schauspiels besteht darin, dass ein einheitliches Bewusstsein zum Vorschein kommt. Wenn ein Mensch beginnt, das Geheimnis der Gemeinschaft mit Gott in Christus zu leben, lernt er allmählich, alle Dinge mit Bezug auf ein einziges Kriterium anzuschauen. So gehen alle Urteile und Entscheidungen immer mehr von einem einzigen Maßstab aus. Aus diesem tieferen Reichtum geht eine Sicht der Welt hervor, die von einer großartigen Einfachheit geprägt ist: eine einzige Wirklichkeit als neues Kriterium, als neuer Maßstab und  neue Lebensweise hüllt alles in ihr Licht. Dadurch fühlt sich das Ich eins mit allen Dingen und in allen Dingen, sogar angesichts des Todes. ….
Die Gestalt des Heiligen ist gekennzeichnet von einer Liebe zum Leben, das Gottes Schöpfung ist. Er umarmt dabei bewusst und treu alle existenziellen Umstände innerhalb des Planes Gottes.  Während er leidenschaftlich das eigene Leben annimmt, muss er nichts vergessen oder verleugnen: am wenigsten, so würde ich sagen, den Tod.

Das Bewusstsein der eigenen Unfähigkeit

Gerade der Heilige lebt mit besonders scharfer Wahrnehmung die dramatische Erfahrung der ursprünglichen Zerbrechlichkeit und somit das Bewusstsein, Sünder zu sein.
Die Wahrnehmung dieser grundlegenden Zerbrechlichkeit sensibilisiert für die Möglichkeit des Bösen in sich, das allgegenwärtig ist und bis in die feinsten Ausdrucksformen der Person eindringt.
Die Demut ruht ganz auf einer tiefen inneren Ruhe. Denn sobald man die Wahrheit seiner selbst anerkennt, stellt sich der Friede ein, aus dem das echte Leben gestärkt hervorgeht. Die besondere Betonung des Heiligen Paulus in den folgenden Worten ist wie eine Einladung zur Demut des Herzens: „Freut Euch, noch einmal sage ich Euch: Freut Euch!“ (Phil 4,4)

Die Zuneigung zu Christus

In gewissem Sinn ersehnt der Heilige nicht die Heiligkeit als gelebte Vollkommenheit; ihn interessiert vielmehr die Heiligkeit als Möglichkeit, Jesus Christus zu begegnen, sich auf ihn zu stützen, ihm anzuhängen und ihm gleichgestaltet zu werden. Die Begegnung mit Christus verleiht ihm die Gewissheit einer Gegenwart, deren Stärke ihn vom Bösen befreit und seine Freiheit zum Guten befähigt…..
“Die Heiligkeit besteht nicht etwa in der Tatsache, dass der Mensch alles gibt, sondern vielmehr in der Tatsache, dass der Herr alles nimmt“ (Adrienne von Speyr, Objektive Mystik, Johannes-Verlag), in gewissem Sinn sogar trotz der Person, die der Herr erwählt….
Der Heilige verzichtet nicht im wahren Sinne auf etwas um Christi willen, sondern er will Christus selbst!  Er ersehnt das Ereignis der Gegenwart Christi so sehr, dass sein Leben auch ganz sichtbar davon durchdrungen sein soll, bis hin zur Form des Lebens: der Verzicht ist nur die Art und Weise, wie dies nach außen erscheint….
Auf gar keinen Fall, dies gilt es nochmals zu unterstreichen, strebt die Haltung eines Christen als Ziel ein Ergebnis an, das er selbst festlegt. Das Ziel ist allein das „Kommen Christi“. Seine Grundhaltung ist die Erwartung; nämlich die Erwartung, dass Christus in ihm ankommt, und durch ihn hindurch auch in der Welt, in der Form der Heiligkeit. Der Christ wartet und ersehnt, von seinen Sünden gereinigt zu werden. Doch keine Sünde wird ihn jemals von dieser Erwartung abbringen können. Die Sehnsucht  nach der  Ankunft Christi in sich selbst, und durch ihn hindurch auch in der Welt, bestimmt ihn viel mehr als die Neigung, an seinen Sünden zu haften….

Wer auf dem Weg der Heiligkeit auch nur die ersten Worte stammelt oder zaghaft die ersten unsicheren Schritte macht, der empfindet die glühende Liebe zu Christus bei manchen Heiligengestalten oder die mit Ausdauer gelebte Nächstenliebe bei anderen nicht mehr als fremdartig, sondern nimmt schon eine Übereinstimmung zu sich selbst wahr. Das Paradox des heiligen Paulus kommt mit bebender Klarheit zum Ausdruck:  „Trotz all unserer Not bin ich von Trost erfüllt und ströme über von Freude“ (2 Kor 7, 4)

Innerhalb eines Volkes

…Die Heiligkeit bringt die Erfahrung einer wirklich neuen Kultur mit sich. In der Beziehung mit dem Geheimnis der Person Christi entzündet sich eine stets wachsende  und begeisterte Wahrnehmung  seiner selbst, der ganzen Menschheit, aller Dinge und Ereignisse. …
In diesem Sinne ist es verständlich und großartig, dass jeder Christ zur „Gemeinschaft der Heiligen“ gehört, solange sein Leben nicht den wesentlichen Kern verleugnet.
….Hier kann man die christliche Dynamik festmachen: das Gute bedeutet, ein lebendiger Stein im großen Bau zu sein. Die Moralität unseres Tuns zeigt sich an einem klaren Kriterium: der Aufbau des Leibes Christi.
Die Heiligkeit stellt in der Kirche keineswegs nur ein ganz ausgefallenes Ereignis dar. Die Heiligen im engeren Sinne, die von der Kirche selig oder heiliggesprochen wurden,  wurden von Gott mit einer besonderen Aufgabe betraut. Sie sollen für das Volk Gottes innerhalb der Geschichte Zeugen sein und pädagogische Vorbilder werden für eine reife Beziehung zum Geheimnis, zu der alle Berufenen bestimmt sind…. Daher findet sich in der Didachè, einem Text aus den allerersten Zeiten des Christentums, im glühenden Eifer des Anfangs folgende Empfehlung: „Sucht jeden Tag das Angesicht der Heiligen und zieht aus ihren Worten Trost.“
(Kurzfassung: Luigi Giussani)

(Weitere Texte zur Bedeutung der Heiligen finden Sie in der Ausstellung)

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